Daniel Libeskind
arbeitet seit 1990 in Berlin als Architekt, nachdem er den Wettbewerb
für das Berlin Museum mit dem Jüdischen Museum 1989 gewonnen
hatte, das nun eröffnet wird. Sein Museum für die Stadt Osnabrück,
das Felix Nussbaum Haus, wurde im Juli 1998 eröffnet.
Daniel Libeskind
und seine Familie leben und arbeiten in Berlin. Er ist Mitglied des
Bund Deutscher Architekten (BDA). Momentan entwirft und baut er 'The
Spiral', Erweiterungsbau des Victoria & Albert Museums London; The
Imperial War Museum - North in Manchester; das Konzerthaus MUSICON BREMEN;
The Jewish Museum San Francisco, USA; JVC Universität in Guadalajara,
Mexico; das Shoah Centre in Manchester, England; und er beteiligt sich
an der Reurbanisierung des ehemaligen SS-Geländes in Sachsenhausen,
Oranienburg.
Libeskind
hat an vielen Universitäten der Welt gelehrt und Vorträge
gehalten. Er war Head of the Department of Architecture an der Cranbrook
Academy of Art von 1978 bis 1985, gründete und leitete von 1986
bis 1989 Architecture Intermundium, ein privates, nicht profitorientiertes
Institut für Architektur und Stadtplanung in Mailand. Er war Senior
Scholar am John Paul Getty Centre und der Royal Danish Academy of Art;
er hatte die Louis Sullivan Professur in Chicago, die Bannister Fletcher
Professur an der Universität London; den Davenport Chair an der
Yale University; Mitglied der Akademie der Künste seit 1990; Mitglied
der European Academy of Arts and Letters und er war unter anderem Gastprofessor
an der Harvard Universität. Momentan ist er Professor an der UCLA
und der Hochschule für Gestaltung, Karlsruhe.
Libeskind
hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, zuletzt den American Academy
of Arts and Letters Award for Architecture, den Berliner Kulturpreis
1997, er erhielt die Ehrendoktorwürde der Humboldt Universität
Berlin und des College of Arts and Humanities der Essex University.
Sein Werk wurde ausführlich in großen Museen und Galerien
auf der ganzen Welt ausgestellt und war auch Thema zahrlreicher internationaler
Publikationen in vielen Sprachen. Seine Ideen haben eine neue Architektengeneration
und all die, die sich an der zukünftigen Entwicklung von Städten
und der Kultur interessieren, beeinflußt.
Aktuelle
Projekte
Das Jüdische
Museum Berlin (im Januar 1999 eröffnet) ist durch einen zentralen
Raum bestimmt, der vollkommen leer ist: weder betretbar noch wirklich
einsehbar steht er für die Abwesenheit der Jüdischen Kultur
nach dem Holocaust. Dieser Leerraum durchzieht als gerade Linie die
Museumsräume, die im Grundriß in Zickzackform gegliedert
sind. Im Konzept des Baus schwingt Schönbergs unvollendete Oper
"Moses und Aaron" mit. Walter Benjamins "Einbahnstrasse"
und Verbindungslinien der Wohnorte Berliner Bürger sind die unsichtbare
Matrix des Gebäudes. Von außen stellt der Bau einen städtebaulichen
Rahmen für ein sehr disparates Umfeld dar: zwischen Stadtvillen
der IBA und Plattenhochhäusern, direkt neben dem wiederaufgebauten
barocken Kollegienhaus, ist der zinkverkleidete Neubau zugleich Einschnitt
und Brücke, der einen über das Grundstück hinausgehenden
Landschaftsraum definiert: als Garten, Spielplatz, Park, Gedenkort ist
es ein Ort für alle Berliner.
Das Felix
Nussbaum Haus Osnabrück wurde letztes Jahr eröffnet. Der
dramatische Bau aus Holz, Zink und Beton ist dem Leben und Werk des
Osnabrücker Malers Felix Nussbaum gewidmet, der von den Nazis verfolgt
und ermordet wurde. Das Haus thematisiert ein jüdisches Schicksal
und fügt sich wie eine urbane Erzählung in die Osnabrücker
Umgebung ein. Der Bau ist sehr klar gegliedert: drei sich überschneidende
Baukörper. Beim Durchlaufen eröffnen sich auf zwei Etagen
dynamische und sehr verschiedenartig artikulierte, labyrinthisch wirkende
Ausstellungsräume, die erst im Wechselspiel mit den Kunstwerken
ihre volle Kraft entfalten.
"The
Spiral" - der Name des Erweiterungsbaus des Victoria and Albert
Museums London - beschreibt die Form des Gebäudes sehr plastisch:
Eine chaotische, auf der Basis eines Algorithmus berechnete Spirale
wird sich zwischen denkmalgeschützten Altbauten in die Luft winden,
von oben neue Blicke auf die Stadt zulassen und innen Raum bieten für
Wechsel- und Dauerausstellungen, mit denen das Museum als eines der
traditionsreichsten Kunsthandwerksmuseen in das nächste Jahrtausend
blicken möchte.
Der Entwurf
für das Imperial War Museum of the North in Manchester (England)
setzt sich aus fragmentarischen Bruchstücken des Erdballs zusammen:
ineinander verhakte monumentale "Scherben", auf die bei Nacht
von außen weithin sichtbare Bilder projiziert werden. Der Neubau
setzt sich in einen klaren stadträumlichen Bezug zu den umliegenden
Industriegebieten am Schiffahrtskanal von Manchester. Nach innen skulpturieren
die "Scherben" die Ausstellungsräume. Im Gebäudekern
wird ein Kino liegen, darüber Computerarbeitsplätze, ein Lichtbrunnen
und ein öffentliches Forum, auf dem Fernsehgeräte die aktuellen
Nachrichten aus aller Welt zeigen werden. Die unmittelbare Umgebung
mit Blick auf nicht mehr genutzte Industriebauten ist symbolisch den
24 Zeitzonen zugeordnet und soll Kindern, lokalen Gruppierungen, Künstlern
übergeben werden, die diesen sich im ständigen Wandel befindlichen
Ort mitgestalten werden.
Das Jewish
Museum San Francisco wird das Wesen jüdischen Lebens in Amerika
zum Gegenstand haben und die Öffentlichkeit in einem großen
Rahmen mit Fragen und Antworten der jüdischen Identität und
ihrer Zukunft in der amerikanischen Gesellschaft konfrontieren. In enger
Zusammenarbeit mit den Ausstellungsmachern und den Museumsverantwortlichen
entsteht ein innovatives und individuelles
Gebäudekonzept.
Die JVC
Universität Guadalajara (Mexico) wird die Institute für
Architektur, Erziehungswissenschaften und Verwaltungswissenschaften
in einem flexibel nutzbaren Gebäudekomplex aus vier ineinander
verschränkten Baukörpern unterbringen. Die Notwendigkeit intensiver,
überschaubarer Räume, in denen eine problemlose und entspannte
Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Fachbereichen stattfinden
kann, ist wesentlich für eine Wissenschaft im 21. Jahrhundert.
In Allerton
Bywater (Mittelengland) entsteht in enger Abstimmung mit den dort
lebenden Menschen ein Masterplan für eine nachhaltige Dorfentwicklung.
In dem ehemaligen Kohleabbaugebiet schaffen neue Wohnformen, ein innovatives
Arbeitsplatzangebot, Dienstleistungen und Gemeinschaftsprojekte ein
inspirierendes Lebensumfeld mit höchsten ökologischen Ansprüchen.
Das städtebauliche
Konzept für den Berliner Vorort Lichterfelde Süd entdeckt
den Stadtrand als "sichtbares Archipel", eine sich zum Stadtrand
auflösende heterogene Inselgemeinschaft, in der die städtischen
Strukturen durchdrungen werden durch die offene Landschaft des Umlands.
Ein flexibles Rahmenwerk läßt Anpassungen an veränderte
Nutzungsanforderungen zukünftiger Generationen zu.
Ausgewählte
Monographien
Between
Zero and Infinity, New York, Rizzoli, 1981.
Chamberworks,
Architectural Association, London, 1983.
Theatrum
Mundi, Architectural Association, London, 1985.
Line of
Fire, Mailand, Electa, 1988.
Marking
the City Boundaries, Groningen (Niederlande), 1990.
Daniel Libeskind,
Countersign, Academy Editions, London, and Rizzoli Editions, New York,
1992.
Jüdisches
Museum, Hg.: Kristin Feireiss, Ernst & Sohn, Berlin, 1992, (winner
of the book design award from the German publisher's
commission).
Radix:Matrix:
Works and Writings of Daniel Libeskind, in Deutsch 1994 und in Englisch,
1997. Prestel Verlag, München.
Daniel Libeskind:
Kein Ort an seiner Stelle, Verlag der Künste, Dresden, 1995.
El Croquis,
in Spanisch und Englisch, Madrid, November 1996.
Unfolding, Daniel Libeskind and Cecil Balmond, NAI Uitgevers/Publishers,
Rotterdam, 1997.
Fishing
from the Pavement, NAI Uitgevers/Publishers, Rotterdam, 1997.
Museum ohne
Ausgang: Das Felix-Nussbaum-Haus des Kulturgeschichtlichen Museums Osnabrück
- Daniel Libeskind, Dr. Thorsten Rodiek, Wasmuth Verlag, Tübingen,
Herbst 1998.
Universale
di architettura. Daniel Libeskind, Museo ebraico, Berlino. Text von
Livio Sacchi, Testo & Immagine s.r.l., Torino. September 1998.
Jüdisches
Museum Berlin, Daniel Libeskind. Prestel Verlag, München. Auch
in Englisch, Französisch, Italienisch, Japanisch erschienen. Januar
1999.
Jüdisches
Museum Berlin, Verlag der Kunst, Berlin. Auch in Englisch erschienen.
Januar 1999.
Das Jüdische
Museum Berlin. Elke Dorner, Gebr. Mann Verlag. März 1999.
Ausgewählte
Projekte
Felix Nussbaum
Museum, Osnabrück. Eröffnet im Juli 1998.
Jüdisches
Museum, Ber-lin. Eröffnung Januar 1999.
Jewish Museum
San Francisco, San Francisco. Entwurfsphase. Baubeginn 2000. Fertigstellung
2002.
The Spiral:
Extension to the Victoria and Albert Museum, London, England. Wettbewerb
(1. Preis), 1996. Entwurfsphase, erflogreiches Plangenehmigungsverfahren,
Fertigstellung voraussichtlich 2003.
Imperial
War Museum - North, Manchester, Trafford, England. Wettbewerb (1. Preis),
1997. Entwurfsphase. Fertigstellung voraussichtlich 2002.
Shoah Centre,
Manchester, Trafford, England. Entwurfsphase. Fertigstellung 2002.
JVC University,
Schools of Architecture, Teacher Training and School of Public Policy,
Guadalajara, Mexico. Entwurfsphase. Voraussichtliche Fertigstellung
2001.
Uozu Observatory,
Uozu, Japan. Eröffnet November 1997.
Polderland
Garden, Almere, Niederlande. June 1997.
Konzerthaus
MUSICON BREMEN. Wettbewerb (1. Preis), 1995.
Sachsenhausen,
Oranienburg. Urbanisierung ehemaligen SS-Geländes. Wettbewerb (Sonderpreis),
1993. Ausarbeitung des B-Plans, 1996.
Lichterfelde
Süd, Berlin. Städtebauliches Gutachten, 1994.
Städtebaulicher
Wettbewerb (2. Preis) 1998.
Landsberger
Allee, Berlin. Städtebaulicher Wettbewerb (1. Preis), 1995.
Alexanderplatz,
Berlin. Städtebaulicher Wettbewerb (2. Preis), 1993.
Potsdamer
Platz, Berlin. Städtebaulicher Wettbewerb, 1991.
Erweiterung
der National Gallery, Dublin, Ireland. Wettbewerb (2. Preis) 1996.
Neue Synagoge
und Gemeindezentrum, Duisburg. Wettbewerb (2. Preis) 1996.
Neues Außenministerium,
Berlin. Wettbewerb (Sonderpreis), 1996.
Marking
the City Boundaries, Groningen, Netherlands. Urban design and individual
construction. 1994.
Bürokomplex
Wiesbaden, Wiesbaden. Wettbewerb (1. Preis), 1992.
Centre dArt
Conemporaine, Tours (Frankreich). Zweite Phase. 1993.
Garden Pavillion,
International Gardens Exposition, Osaka, Japan, 1990.
City Edge,
Berlin. Internationale Bauaustellung (IBA). Wettbewerb ( 1. Preis),
1987.
Daniel
Libeskind
Beyond the
Wall 26.36°, Netherlands Architecture Institute, Rotterdam. September
1997.
Konzept
und Installation der biographischen Ausstellung. Moskau-Berlin / Berlin-Moskau,
1900-1950, Ausstellung im Martin-Gropius-Bau, Berlin, Ausstellungskonzept
1995-96. Erster Preis für "Beste Ausstellung"
George Grosz
Retrospective. Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie, Berlin / Staatsgalerie,
Stuttgart, Installation und Ausstellungsdesign für die graphische
Sammlung. 1994-5. Zweiter Preis für "Beste Ausstellung".
"The
Architect", Oslo National Theatret, Oslo. August 1997. Szenographie
und Kostümentwurf.
"Metamorphosis",
Gladsaxe theater, Copenhagen, Denmark. Szenographie und Kostümentwurf.
1994-95.